50 Jahre Hochschulwesen" und ein (dritter) Neuanfang
Die Zeitschrift Das Hochschulwesen (HSW)" ist 1953 in der DDR gegründet worden. Sie war das offiziöse Organ des DDR-Ministeriums für Hoch- und Fachschulwesen (vor der Vereinigung dann: des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft der Deutschen Demokratischen Republik) und erschien dort im Deutschen Verlag der Wissenschaften, (Ost-)Berlin. Sie wurde durch ein verhältnismäßig unabhängig agierendes Redaktionskollegium gestaltet. Die Zeitschrift informierte angenehm sachbezogen über Entwicklungen im Bildungswesen der DDR sowie - und das machte sie auch im westlichen Ausland besonders interessant - in vielen gut informierten Beiträgen über Hochschulentwicklungen in den sozialistischen Bruderstaaten der DDR. Das waren wertvolle Horizonterweiterungen für westliche Hochschulforscher und -planer. Für westliche Hochschuldidaktiker reizvoll war darüberhinaus eine regelmäßige Sparte bzw. Einlage in die Zeitschrift, die zu jener Zeit in der alten Bundesrepublik mangels Identifikation mit dem Thema in einer staatsnahen, auflagenstarken Zeitschrift mit hoher Verbreitung in den Hochschulen noch undenkbar gewesen wäre: Aus Theorie und Praxis der Hochschulpädagogik". Hierunter fielen Beiträge zur Didaktik der Lehre ebenso wie zu curricularen Entwicklungen, aber auch allgemeine bildungssoziologische Forschungen. Bis 1990 wurde Das Hochschulwesen" mit etwa 1000 Exemplaren an den Hochschulen der DDR gelesen und mit weiteren etwa 1000 Exemplaren in die sozialistischen Staaten exportiert. Mit dem Zusammenbruch der traditionellen Strukturen in diesen Staaten war diese Verbreitung abrupt beendet.
Der zweite Neuanfang wurde nötig, als mit der Bildung der fünf neuen Bundesländer nach der Vereinigung das zentrale Ministerium der DDR Ende 1990 aufgelöst wurde und damit Anlaß und Subvention der Zeitschrift entfielen. Die bisherige wirtschaftliche Basis der Zeitschrift war dahin. Der westdeutsche Hermann Luchterhand Verlag erwarb die Rechte (zusammen mit einer Reihe anderer Zeitschriften in ähnlicher Lage) und war Anfang 1991 mit der Klärung der Perspektiven und eines Konzepts beschäftigt. Da wandte sich der Hochschulforscher und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Hochschuldidaktik e.V. (AHD), Dr. Wolff-Dietrich Webler, dorthin und unterbreitete ein inhaltliches und organisatorisches Konzept und einen Kooperationsvorschlag mit der AHD. Die Zeitschrift sollte - thematisch der ganzen Hochschulentwicklung verpflichtet - öffentliche Zeitschrift mit freien Abonnenten sein, aber gleichzeitig auch als Mitgliederzeitschrift der AHD fungieren. Sie sollte redaktionell unabhängig sein; aber die inhaltlichen Anliegen der gemeinnützigen AHD, die Hochschuldidaktik in Theorie und Praxis zu fördern (d.h. die Beobachtung und positive Veränderung aller auf Lehre und Studium einwirkender Einflußfaktoren), wurden über Personalentscheidungen in einem neuberufenen Herausgeberkreis berücksichtigt. Daraufhin kam es zu einer sehr produktiven Zusammenarbeit zwischen Verlag, Herausgebern und AHD, die durch eine verlegerische Entscheidung der Konzernmutter des Luchterhand Verlages, sich aus allen Hochschulthemen allmählich zurückzuziehen und Das Hochschulwesen" einzustellen, nach 10 Jahren zum 31.12.2001 beendet wurde.
Die Zeitschrift ist trotz dieser Entscheidung aber erneut nicht untergegangen, sondern hat den dritten Neuanfang gut überstanden: „Das Hochschulwesen" ging zum 1. Januar 2002 auf den Universitätsverlag Webler über. Hier wurde es mit großer Tradition, aber weiterhin der kritischen Beobachtung, Analyse und dem positiven Wandel verpflichtet, ausgerechnet seit dem 50. Jahrgang weiter verlegt; das erwies sich als ein gutes Omen für die Kontinuität ebenso wie für einen neuen Start. Wenn auch die Verlagsgrundlage gänzlich neu war (der Verlag wurde eigens für diesen Zweck der Weiterführung der Zeitschrift gegründet), so blieben das Konzept und die die Zeitschrift betreuenden Herausgeber die alten, ohne damit auf Weiterentwicklung verzichten zu wollen. Seit die AHD auf eine eigene Mitgliederzeitschrift verzichtet hat, ist das HSW völlig eigenständig. Wenn Sie, die Leserinnen und Leser, die Zeitschrift so unterstützen wie bisher, ist uns um die Zukunft nicht bange.Herausgeber und Verlag des Hochschulwesens"